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Schwerpunkt: Psychologie im Raum: Bildung, Arbeit, Gesundheit, OrientierungAnna-Lena Peters, Michael Knoll & Dominik Dilba (2019),
Territorialität als zweischneidiges Schwert
Eine Studie zur Wirkung der Personalisierung von Arbeitsplätzen an Hochschulen.

Umweltpsychologie 23(1), 34-56.
Dieser Artikel wurde in deutsch verfasst.
Zusammenfassung:Akademische Mitarbeiter/innen an Hochschulen berichten zunehmend von ausgeprägten Stresssymptomen und weisen hohe Burnout-Raten auf. Das Job-Demands-Resources Modell postuliert, dass die negative Wirkung von Arbeitsbelastungen auf die psychische Gesundheit durch die Aktivierung von Ressourcen abgeschwächt werden kann. In unserem Beitrag untersuchen wir, inwieweit Territorialität, also die Aneignung der physischen Umgebung, neben sozialer Unterstützung und Autonomie eine solche Ressource für akademische Mitarbeiter/innen im Hochschulkontext darstellt. Wir konzentrieren uns dabei auf eine Form territorialen Verhaltens, bei der Beschäftigte die eigene Arbeitsumgebung mit persönlichen Gegenständen dekorieren und damit personalisieren. Inwieweit Personalisieren den Effekt von Arbeitsbelastung auf Stresssymptome abschwächt, untersuchten wir in einer Studie mit 227 Beschäftigten an deutschen Hochschulen. Das mittlere Alter der Teilnehmer/innen betrug 34.8 Jahren (SD = 8.8). Um die Hypothesen zu prüfen, wurden mehrere ineinander genestete lineare Regressionsmodelle mit der Irritation als abhängiger Variable berechnet. Es zeigte sich zwar ein Interaktionseffekt; entgegen unserer Vorhersage verringerte Personalisieren den Einfluss von Arbeitsüberlastung auf psychische Beanspruchung jedoch nicht, sondern verstärkte ihn sogar. Während dieser Befund unserer Annahme widerspricht, öffnet er den Blick für die Ambivalenz von Personalisieren am Arbeitsplatz, das in der Praxis häufig vorkommt und bisher zumeist positiv konnotiert ist. Wir diskutieren diese kontraintuitiven Befunde vor dem Hintergrund der Forschung zu Selbstregulation, Identitätskonflikten und Work-Life-Balance. Wir schließen mit Überlegungen zur weiteren Erforschung und zum praktischen Umgang mit der Aneignung der physischen Umgebung, die bisher nur in Ansatzpunkten verstanden ist.
Schlagworte:Arbeitsplatz Hochschulen Umweltaneignung Umweltverhalten Wohlbefinden
Abstract:Academic staff at universities are increasingly reporting pronounced stress symptoms and have high burnout rates. The Job Demands-Resources model postulates that the negative impact of workloads on mental health can be mitigated by the activation of resources. In our article, we examine how territoriality, i.e. the acquisition of the physical environment, represents such a resource for academic staff in the university context in addition to social support and autonomy. We focus on a form of territorial behavior in which employees decorate and personalize their own work environment with personal belongings. In a study with 227 employees at German universities we examined to what extent this identity-oriented marking mitigates the effect of workload on stress symptoms. The mean age of the participants was 34.8 years (SD = 8.8). To test the hypotheses, several interrelated linear regression models with irritation as a dependent variable were calculated. There was indeed an interaction effect; however, contrary to our prediction, identity-oriented marking did not reduce the impact of work overload on mental strain, but even increased it. While this finding contradicts our assumption, it opens the view to the ambivalence of identity-oriented marking in the workplace, which occurs frequently in practice and has been mostly positively connoted. We discuss these counterintuitive findings against the background of research on self-regulation, identity conflicts and work-life balance. We conclude with considerations for the further exploration and for the practical handling of the acquisition of the physical environment, which is understood so far only in starting points.
Keywords:Being Environmental Appropriation Environmental Behavior Universities Well Workplace


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