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Schwerpunkt: Mobilitätspsychologie: Wissenschaft trifft PraxisNadin Hermann & Susanne Menzel (2015),
Wildtierschutz versus Schutz menschlicher Interessen bei der natürlichen Rückkehr der Wölfe:
Schutztypen von Schülerinnen und Schülern.

Umweltpsychologie 19(1), 176-199.
Dieser Artikel wurde in deutsch verfasst.
Zusammenfassung:Die natürliche Wiederbesiedlung Deutschlands durch den Wolf ist im Zuge der weltweiten Biodiversitätskonvention als Erfolg zu werten. Grundvoraussetzung für den langfristigen Erhalt der Wolfpopulationen ist jedoch die Bereitschaft der Bevölkerung, die Ansiedlung zu unterstützen. Bildungsangebote können ein geeignetes Instrument sein, Schutzbereitschaften gegenüber dem Wolf zu stärken. Dennoch kann die Rückkehr der Wölfe ein mögliches Entscheidungsdilemma beinhalten, da Lernende nach der Schutzmotivationstheorie (Protection Motivation Theory, PMT) zwei unterschiedliche Bedrohungen wahrnehmen können: die Bedrohung der Tierart und die Bedrohung menschlicher Interessen. Ziel unserer Fragebogenstudie war es, aufgrund der individuellen Bereitschaft, das Wildtier oder menschliche Interessen zu schützen, verschiedene Schutztypen bei SchülerInnen (n= 1243, durchschnittliches Alter= 15,14) zu identifizieren und Konsequenzen für die Bildungspraxis abzuleiten. Mittels Clusteranalysen wurden drei Schutztypen klassifiziert: a) ein Tierschutz-Typ, der den Schutz der Tiere favorisiert; b) ein Anthropozentrik-Typ, der auf menschliche Interessen fokussiert und c) ein Dilemma-Typ, der beide Interessen gleichwertig hoch vertritt. In einer Diskriminanzanalyse ließ sich die Gruppenzugehörigkeit im Sinne der PMT durch Bedrohungs- und Bewältigungseinschätzung der konträren Bedrohungen erklären. Auch in die Studie integrierte moralbasierte Emotionen und wildtierbezogene Werteorientierungen konnten die Typen verlässlich trennen. Um Jugendliche zu einer Schutzbereitschaft zu motivieren, sollte die Wertschätzung von Wildtieren gefördert, die Bedrohungswahrnehmung abgebaut sowie Bewältigungsmöglichkeiten des Zusammenlebens aufgezeigt werden.
Schlagworte:Bedrohung Bildung Fragebogen Jugendliche Umweltverhalten Wildtiere
Abstract:In the light of the worldwide biodiversity convention, the return of the European grey wolf to Germany is a success story. However, a long-term reintroduction of wild animals depends on the support of the general public. Education is proposed an efficient method to foster intentions to support wildlife. Nevertheless, and according to Protection Motivation Theory (PMT), immigration of wolves includes a possible decision-dilemma for the learner who may perceive two different kinds of threats: the threat of the animal species becoming extinct and the threat towards human interests. The aim of our questionnaire study was to find protection types among adolescents that reflect their intention to protect the animal as well as an intention to protect human interests (n= 1243, mean age= 15,14). Cluster analysis classified four protection types: a) an animal-protection-type, who focussed on protection of the animals, b) an anthropocentric-type, who preferred protection of human interests and c) a dilemma-type, who rated both protection motivations nearly equal. A discriminant analysis revealed that, according to the PMT, threat and coping appraisal were effective in distinguishing these types. Moreover, ethical emotions and wildlife value orientations provided in the study explained group differences. To motivate young people to support wildlife, promoting wildlife appreciation, reducing threat perception and highlighting ways of living together are important.
Keywords:Adolescents Ecological Behavior Education Questionnaire Threat Wildlife


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© 2024 Zeitschrift Umweltpsychologie, ISSN 1434-3304
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