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Schwerpunkt: GemeingutnutzungAndrea Bender (2002),
"Tragödie des Fischfangs" in Tonga? Die Bedeutung kultureller Institutionen bei der Gemeingutnutzung.
Umweltpsychologie 6(1), 26-41.
Dieser Artikel wurde in deutsch verfasst.
Zusammenfassung:In der Diskussion um Gemeingutnutzung gelten Institutionen als wichtigster Mechanismus einer funktionalen Nutzungsregulierung. Da Institutionen allerdings in vielfältiger Weise mit kognitiven Konzepten und Werten interagieren, ist für das Verständnis der Nutzungsstrategien immer auch der kulturelle Kontext zu berücksichtigen. Die Nutzung mariner Ressourcen im polynesischen Königreich Tonga bietet dazu ein anschauliches Beispiel. Theoretisch wäre hier aufgrund der frei zugänglichen Fischgründe eine 'Tragödie des Fischfangs' zu erwarten. Die Ergebnisse einer in der Ha'apai-Inselgruppe durchgeführten ethnologischen Feldforschung legen jedoch nahe, dass dieser Mangel an Regulierung nicht automatisch zu Übernutzung und Konflikten führt. Die Daten aus teilnehmender Beobachtung und Interviews mit Fischern aus zwei Gemeinden belegen zwar, dass - vermittelt durch das vorherrschende 'Versorgungsmodell' unbegrenzt verfügbaren Fischs - nachhaltige Strategien nicht als notwendig erachtet werden. Anstrengungen werden aber vom Prinzip des Teilens geleitet, das Anreize zur Übernutzung indirekt reduziert. Basierend auf demselben Wertesystem, das Respekt, Sorge und Kooperation betont, unterstützen Versorgungsmodell und Institution des Teilens also Nachhaltigkeit und verringern das Konfliktpotential.
Schlagworte:Commons Dilemma Kulturelle Institutionen Ressourcennutzung (fischfang) Tonga Umweltwahrnehmung
Abstract:In the discussion on common pool resources, institutions are usually looked at as an essential means of regulating exploitation thus 'making the commons work'. Such institutions interact in complex ways, though, with cognitive concepts and values and therefore the cultural context as a whole has to be taken into consideration in any attempt to explain resource use strategies. This will be shown with an example from the Polynesian Kingdom of Tonga where, according to theory, a 'tragedy of fishing' should occur due to open accessible fishing grounds. The results of an anthropological field-research conducted in the island group of Ha'apai, however, suggest that this lack of regulation does not automatically lead to over-exploitation and conflicts. The data obtained from participant observation and interviews with fishermen from two villages corroborate that - mediated by the prevailing 'providing' model of infinitely available fish - sustainable strategies are not considered necessary. Efforts are guided by the sharing principle, instead, that indirectly reduces incentives to over-exploit. Based on the same value system emphasising respect, concern, and cooperation, both providing model and sharing institution thus support sustainability and restrict the potential for conflicts.
Keywords:Commons Dilemma Cultural Institutions Environmental Perception Resource Use (fishing) Tonga


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© 2024 Zeitschrift Umweltpsychologie, ISSN 1434-3304
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