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Architekturpsychologie
Seit kurzem lebt nach offiziellen Schätzungen der UNO mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung in Städten. Die gebaute Umwelt beeinflusst das menschliche Erleben und Verhalten mehr denn je. Sie eröffnet Chancen ebenso wie sie Entwicklungsmöglichkeiten behindern kann. Die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und gebauter Umwelt stellen auch die psychologische Forschung immer wieder vor neue Fragen:
- Auf der Ebene der Stadtentwicklung steht dem extremen Wachstum und der Verdichtung der Megastädte vor allem im asiatischen Raum das gleichzeitige Phänomen der Bevölkerungsschrumpfung und des demografischen Wandels in weiten Teilen Deutschlands und Europas gegenüber. Daraus ergeben sich unter anderem psychologische Fragen der Wahrnehmung von Leerstand und Rückbau, aber auch die Entwicklung neuer Wohnformen beispielsweise für alte Menschen, von Pflegeeinrichtungen oder Mehrgenerationenhäusern.
- Der Wandel der Arbeitswelt und die rapide Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien führen zu neuen Formen der Büroorganisation und -gestaltung. Wie wirken sich zunehmende Transparenz, Flexibilität und Non-Territorialität auf Arbeitsleistung, Arbeitszufriedenheit und das soziale Miteinander aus?
- Die lebhaften bildungswissenschaftlichen und politischen Diskussionen im Anschluss an PISA, IGLO und andere Leistungsvergleichsuntersuchungen werfen auch Fragen nach lernförderlicher Architektur auf. Wie müssen Kindergärten, Schulen und Universitäten gestaltet werden, damit sie aktuelle pädagogische und didaktische Konzepte wirkungsvoll unterstützen?
- Der Gebäudebestand hat durch den Verbrauch von Heizenergie massiven Einfluss auf den Gesamtenergieverbrauch. Niedrigenergie- und Passivhauskonzepte sind in der Wohn- und der Büroarchitektur heute nichts Ungewöhnliches mehr. Aber der reale Energieverbrauch hängt nicht nur von der Gestaltung ab, sondern vor allem von der kompetenten Nutzung. Wie kann die Akzeptanz solcher Konzepte gefördert werden und wie müssen sie gestaltet sein, damit die Nutzer willens und in der Lage sind, die Energieeinsparungen im täglichen Gebrauch auch tatsächlich zu realisieren?
Dies sind nur einige der aktuellen Themen aus Architektur und Städtebau, die für die architektur- und umweltpsychologische Forschung und Praxis von Bedeutung sind. Wir wünschen uns Beiträge, welche die Leistungsfähigkeit umweltpsychologischer Theorien und Methoden für die Bearbeitung solcher und verwandter Fragen demonstrieren. Grundlagenwissenschaftliche Beiträge, die sich auf die Weiterentwicklung wichtiger theoretischer Konzepte wie Erleben und Wahrnehmen von Architektur, Dichteerleben, Privatheit, Territorialität, Aneignung oder Ortsidentität beziehen, sind ebenso erbeten wie empirische Untersuchungen, Fallstudien oder Berichte über erfolgreiche Praxisprojekte. Von besonderem Interesse sind Beiträge und Projektvorstellungen aus der Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung sowie interdisziplinär entstandene Arbeiten.
Annahmeschluss für Beiträge zu dem geplanten Schwerpunkt (Heft 1/2010) ist der 30. Juni 2009. Die Manuskripte durchlaufen das normale Begutachtungsverfahren von "Umweltpsychologie" (Peer Review). Allgemeine Informationen zur Manuskriptgestaltung und die Redaktionsadresse finden Sie auf der letzten Seite dieses Hefts oder ausführlicher unter www.umps.de. Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte an die betreuenden Herausgeber des Schwerpunkts, Riklef Rambow: rambow(at)psyplan.de, Joachim Schahn: Joachim.Schahn(at)Psychologie.Uni- Heidelberg.de, oder Kai Schuster: k.schuster(at)pragmatopia.de.
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