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Schwerpunkt: Erklärung und Veränderung von UmweltverhaltenSylvia Harms & Bernhard Truffer (2005),
Vom Auto zum Car Sharing: Wie Kontextänderungen zu radikalen Verhaltensänderungen beitragen.
Umweltpsychologie 9(1), 4-27.
Dieser Artikel wurde in deutsch verfasst.
Zusammenfassung:Car Sharing – das organisierte Teilen von Autos – gilt als ein ökologisch vielversprechendes neues Mobilitätsangebot. Personen, die ihr eigenes Auto aufgeben und einer Car Sharing-Organisation beitreten, verändern ihren Modal Split zugunsten des öffentlichen Verkehrs; private Autokilometer werden deutlich reduziert. Anhand des auf weitgehend theorieloser ad-hoc-Forschung beruhenden gegenwärtigen Forschungsstandes kann allerdings nicht geklärt werden, ob das Car Sharing-Angebot selbst ausreichend attraktiv ist, um derart radikale Verhaltensänderungen hervorzurufen, oder ob es erst dann in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit gelangt, wenn sich das Verhalten aus anderen Gründen bereits verändert hat. Sowohl aus umweltpsychologisch-theoretischer als auch aus direkt handlungsrelevanter (politischer bzw. marketingorientierter) Perspektive ist es jedoch wichtig, die Wirksamkeit eines neuen Dienstleistungsangebotes und die Wichtigkeit situativer Rahmenbedingungen und/oder persönlicher Faktoren für Verhaltensänderungen klar voneinander zu trennen. Als ersten Ansatzpunkt zur Gewichtung der einzelnen Elemente haben wir eine qualitative Studie durchgeführt. 39 Schweizer Car Sharing-Mitglieder wurden in Interviews und Gruppendiskussionen zu ihrem Mobilitätsverhalten vor und nach dem Car Sharing-Beitritt sowie zu ihren Beitrittsmotivationen befragt. Wichtigstes Ergebnis: Bei vormals autobesitzenden Personen fanden zunächst situative Veränderungen im persönlichen Lebenskontext statt, die zu einer generellen Auto-Aufgabebereitschaft führten, bevor das Car Sharing-Angebot wahrgenommen und geprüft wurde. Allerdings: Die Car Sharing-Dienstleistung ist wichtig, um bereits stattgefundene Verhaltensänderungen zu stabilisieren und vormalige Autobesitzer davon abzuhalten, sich in der veränderten Lebenssituation erneut ein Auto anzuschaffen.
Schlagworte:Autobesitz Car Sharing Qualitativer Ansatz Verhaltenskontext
Abstract:Organised car sharing is considered to be an ecologically promising new mobility offer. Car owners who give up their private car and join a car sharing-organisation change their modal split in favour of public transport, and they significantly reduce their driven car kilometres. But the latest research results only rarely rely on theoretical insights and can, up to date, not clarify if the car sharing-offer itself is attractive enough to evoke such radical behaviour changes, or if the consumer’s attention on car sharing is only attracted if his/her behaviour has already changed for other reasons before. Out of a theoretical, environmental psychology perspective as well as of a directly behaviourally relevant (politically or marketing-oriented) perspective, it is, however, important to clearly separate the effectiveness of a new service offer and the importance of situational conditions and/or personal factors for behaviour changes. As a starting-point for weighting the different elements we conducted a qualitative study. In interviews and group discussions, 39 Swiss car sharing-members were asked about their mobility behaviour before and after having joined a car sharing-organisation as well as their participation motivations. Most important result: Former car owners first underwent significant changes in their personal life context which made them give up the own car, before they became aware of the car sharing-offer and evaluated it. Nevertheless, the car sharing-offer itself is important to stabilise behaviour changes that have already taken place and to hinder former car owners from repurchasing a car in the new life context.
Keywords:Behavioural Context Car Ownership Car Sharing Qualitative Study


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© 2021 Zeitschrift Umweltpsychologie, ISSN 1434-3304
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